Krieg und Luftschutz in Wien

Die Historikerin Nicole-Melanie Goll analysiert in ihrem Beitrag, in welcher Weise Luftkrieg und Luftschutz bereits seit dem Ersten Weltkrieg zentrale gesellschaftliche Themen darstellten. Im Nationalsozialismus wurde der Luftschutz nicht nur als technische Notwendigkeit verstanden, sondern zugleich auch vom NS-Regime als Instrument zur Disziplinierung und Mobilisierung der Bevölkerung genutzt. In Wien bestimmten ab 1943 Luftangriffe zunehmend den städtischen Alltag. Luftschutzanlagen wie der Bunker im Schönbornpark fungierten nicht nur als Schutzräume für die Zivilbevölkerung, sondern auch als Orte nationalsozialistischer Propaganda und sozialer Kontrolle.

Eine neue Form des Krieges

 
Bereits während des Ersten Weltkrieges eröffneten Luftfahrzeuge neue Dimensionen der Kriegsführung. Die rasante technische Entwicklung führte dazu, dass sich das Kriegsgeschehen zunehmend auch in das Hinterland bzw. die „Heimatfront“ verlagerte. Insbesondere die deutschen Luftangriffe 1915/16 auf London – durchgeführt mit Luftschiffen und Großflugzeugen – waren Ausdruck dieses frühen strategischen Luftkrieges. Im österreichischen Kontext stellt der Flug des italienischen Piloten Gabriele D’Annunzio im Jahr 1918 bis nach Wien – weniger ein militärischer Schlag als vielmehr ein propagandistisches Spektakel – eine Zäsur dar. Er verdeutlichte nicht nur das militärische, sondern auch das symbolische und psychologische Potenzial einer Kriegsführung aus der Luft. Spätestens in diesem Zusammenhang begann die zuvor konstruierte Trennlinie zwischen der männlich konnotierten „Front“ und der weiblichen „Heimat“ zunehmend zu verschwimmen – der Krieg erfasste nun die gesamte Gesellschaft in bislang unbekanntem Ausmaß. Auch wenn sich der Luft- und insbesondere der Bombenkrieg am Ende des Ersten Weltkrieges noch nicht vollständig herausgebildet hatten, blieb doch eine deutliche Vorahnung künftiger Formen kriegerischer Auseinandersetzung zurück. Nicht zuletzt deshalb setzten sich in der Zwischenkriegszeit militärische Entscheidungsträger und Strategen verstärkt mit Bombenkriegsführung auseinander. Dabei entstand die Vorstellung, dass kommende Kriege nur noch aus der Luft und zur Vernichtung oder zumindest der erheblichen Beeinträchtigung gegnerischer Gesellschaften geführt werden würden. Diese Planungen und Schreckensszenarien führten zu einem internationalen Wettrüsten und dem Aufbau großer Bomberflotten. Österreich nahm aufgrund der Bestimmungen des Friedensvertrages von Saint-Germain 1919 nicht daran teil. Stattdessen verlagerte sich die Diskussion auf den Schutz der eigenen Bevölkerung vor potenziellen Luftangriffen. Ziel war es, die Bevölkerung gegenüber den physischen, aber vor allem psychologischen Folgen eines Bombenkrieges resilienter zu machen. Dies führte zur Entwicklung und (langsamen) Institutionalisierung umfassender ziviler Luftschutzmaßnahmen. Vereine wie der „Österreichische Luftschutzbund“ wurden tätig und erfassten bald große Teile der Bevölkerung. Insbesondere in städtischen Räumen wurden durch intensive Luftschutzübungen, wie etwa großangelegte Verdunkelungsübungen (beispielsweise im Juni 1936 in Innsbruck oder im darauffolgenden Oktober in Wien), Kenntnisse über entsprechende Selbstschutzmaßnahmen – etwa das richtige Verhalten im Falle eines Luftangriffes (Abb. 1 und Abb. 2) – gelehrt und damit das Bewusstsein für die Gefahren aus der Luft gesteigert. In Vorträgen und Schulungen wurde Wissen vermittelt und gleichzeitig der Zusammenhalt der Gesellschaft propagiert.

Abbildung 1: Postwurfsendung des Reichsluftschutzbundes „An alle Haushaltsvorstände Wiens!“, April 1942; Archivkarton Luftschutz, Museumsarchiv © Volkskundemuseum Wien
Abbildung 1
 
Abbildung 2: Seite 8 und 9 der Broschüre „Luftschutz ist Selbstbehauptungswille. Aufgaben und Erfahrungen über die Ausbildung im zivilen Luftschutz!“, um 1940; Archivkarton Luftschutz, Museumsarchiv © Volkskundemuseum Wien
Abbildung 2
 

„Dann will ich Meier heißen …“


Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bedeutete fast unmittelbar das Einsetzen eines Bombenkrieges gegen Städte und die Zivilbevölkerung. Aus den ersten deutschen Luftschlägen gegen Großstädte wie Warschau 1939 oder Rotterdam 1940 formte sich rasch ein umfassender Luftkrieg, der im selben Jahr in der Luftschlacht um England seinen ersten Höhepunkt fand. Mit der Kapitulation Frankreichs gegenüber NS-Deutschland im Sommer 1940 blieb für Großbritannien und ab 1941 auch für die USA zunächst nur mehr der Aufbau eines strategischen Bombenkrieges, um militärisch auf das nun nationalsozialistisch besetzte Kontinentaleuropa einwirken zu können. Der Luftkrieg entgrenzte sich rasch. 1942 kam es zum ersten 1.000-Bomber-Angriff auf Köln und 1943 zur fast gänzlichen Zerstörung Hamburgs in einem durch Bombenangriffe entfesselten Feuersturm.1 Hermann Göring, Reichsluftfahrtminister und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, soll vor Ausbruch des Bombenkrieges großspurig versprochen haben, dass kein alliiertes Flugzeug Berlin erreichen würde, oder er wolle „Meier heißen“. Dieses Versprechen klang spätestens 1943 wie Hohn.
Dennoch blieb der Bombenkrieg lange auf einen Raum beschränkt: Bis 1943 starteten britische und US-amerikanische Bomberverbände fast ausschließlich von Stützpunkten auf der britischen Insel und trafen damit vor allem den Westen und Norden Deutschlands. Aufgrund der großen Entfernung sowie der Alpen als natürliche Barriere blieb der Alpenraum, und damit das Gebiet des heutigen Österreichs, bis August 1943 weitgehend von Luftangriffen verschont.
Mit der Stationierung alliierter Bomber in Nordafrika und auf Malta – und ab Ende 1943 nahe dem italienischen Foggia – rückten jedoch auch die südöstlichen Reichsgaue des nationalsozialistischen Deutschen Reiches, insbesondere die Alpen- und Donaureichsgaue, zunehmend in den Operationsradius der Alliierten. Im Fokus der Angriffe vor allem der neu geschaffenen 15th US Army Air Force sowie der No. 205 Group Royal Air Force (RAF) standen ab 1943 kriegswichtige Industrieanlagen, militärische Einrichtungen, Ölfördergebiete, aber auch zentrale Verkehrs- und Versorgungsknotenpunkte im Alpenraum sowie in Südosteuropa. Als eine der ersten Städte in „Österreich“ geriet Wiener Neustadt mit seinen Rüstungsbetrieben in den Fokus der alliierten Bomberverbände. 2

Luftverteidigung und Flak-Bunker


Das Deutsche Reich errichtete rasch umfangreiche Verteidigungsmaßnahmen, basierend auf einem gestaffelten System. Alliierte Bomberverbände, die in den Luftraum des Deutschen Reiches eindrangen, wurden von deutschen Flugmeldestationen frühzeitig erfasst. Daraufhin wurden Flak-Stellungen in Alarmbereitschaft versetzt und Jagdflugzeuge zum Abfangen vorbereitet. Letztere verfolgten das Ziel, die feindlichen Fliegerverbände noch vor dem Erreichen ihres Zielgebietes anzugreifen, sie möglichst zu zersprengen oder zur Umkehr zu zwingen, bevor es zum Bombenabwurf kam. Entlang der Anflugwege und nahe der bzw. in den Städten kamen dann Flak-Geschütze zum Einsatz. In Städten wie Wien wurden dazu auch markante Flak-Bunker (heute umgangssprachlich als Flak-Türme bekannt, vgl. Kapitel 2 UNsichtbarwerden) gebaut, die noch heute sichtbar sind. Spätestens ab 1944 war die Deutsche Luftwaffe kaum mehr in der Lage, den alliierten Bomberverbänden wirksam entgegenzutreten, sodass Städte wie Wien zunehmend ungehindert angegriffen wurden. Die Luftschutzsirene war zu diesem Zeitpunkt zum täglichen Begleiter in den Großstädten des Deutschen Reiches geworden. Den Menschen blieb nur mehr die tagtägliche Flucht in die Luftschutzbunker und -keller.

Luftschutz


Die zu Kriegsbeginn noch vorhandene Luftüberlegenheit der Deutschen Luftwaffe vermittelte in weiten Teilen der Bevölkerung ein trügerisches Gefühl der Sicherheit, wodurch die Umsetzung umfassender Luftschutzmaßnahmen zunächst nur zögerlich erfolgte. Erst mit zunehmender Bedrohung wurde der zivile Luftschutz systematisch geregelt: der Ausbau von Kellerräumen zu Luftschutzräumen (vgl. Kapitel 1 Luftschutz im Volkskundemuseum Wien), der Bau von Splitterschutzgräben, die Errichtung öffentlicher Schutzräume und Luftschutzbunker sowie das Anlegen von Löschteichen. Darüber hinaus wurden Kellerräume durch Mauerdurchbrüche miteinander verbunden und Notausstiege auf Straßen geschaffen, während Dachböden entrümpelt und mit feuerhemmendem Mittel imprägniert wurden. Vorgestaffelte Warnsysteme dienten der Bevölkerung zur Einschätzung der Gefahr. Der sogenannte Kuckuck im Radio leitete die Information über den Anflug von Bomberverbänden ein und sollte die Bevölkerung schon vor dem Ertönen der Sirenen auf drohende Gefahr aufmerksam machen. Dem folgte eine öffentliche Luftwarnung, gefolgt von einem Fliegeralarm im jeweils betroffenen Raum. Erst das Sirenensignal der „Entwarnung“ vermittelte das Ende der Gefahr.

„Luftschutz ist Selbstschutz“3 – „Sagt es allen“4


Eine Vielzahl von Verordnungen regelte umfassend sämtliche Aspekte des zivilen Luftschutzes. Eine zentrale Maßnahme stellte dabei die vollständige Verdunkelung sämtlicher Lichtquellen vor Einbruch der Dunkelheit bis zum Tagesanbruch dar. Die Einhaltung der Verdunkelungsvorschriften wurde durch die Polizei sowie den Reichsluftschutzbund (RLB) streng kontrolliert; Zuwiderhandlungen wurden mit erheblichen Strafen geahndet. Zur Orientierung bei Dunkelheit wurden Gehwege im urbanen Raum mit weißer Farbe markiert. Darüber hinaus erleichterten an Gebäuden und entlang von Straßen angebrachte Pfeile und Hinweise in selbstleuchtender Phosphorfarbe das Auffinden der Luftschutzräume.

Welche Luftschutzbauten und Luftschutzkonzepte wurden während des Zweiten Weltkrieges in Österreich genutzt? Georg Hoffmann, Direktor Heeresgeschichtliches Museum (HGM) und Luftkriegshistoriker
Welche Luftschutzbauten und Luftschutzkonzepte wurden während des Zweiten Weltkrieges in Österreich genutzt?
Georg Hoffmann, Direktor Heeresgeschichtliches Museum (HGM) und Luftkriegshistoriker

 

Der Luftschutzbunker: Ort des Schutzes – Ort der Kontrolle


Zum Schutz der Zivilbevölkerung vor der zunehmenden Bedrohung durch Luftangriffe wurde in Großstädten wie Wien im Rahmen des „Führer-Sofortprogramms“ mit dem systematischen Bau von Luftschutzbunkern begonnen. Zwischen Dezember 1940 und September 1941 errichtete das Wiener Stadtbauamt mehrere dieser Anlagen, insbesondere in Parkanlagen, da diese häufig die einzigen verfügbaren Freiflächen innerhalb der dicht bebauten Stadtstruktur darstellten.

Welche Spuren finden sich zum Luftschutzbunker im Schönbornpark – z. B. in Akten, Plänen oder im Stadtbild?Nicole-Melanie Goll, Historikerin
Welche Spuren finden sich zum Luftschutzbunker im Schönbornpark – z. B. in Akten, Plänen oder im Stadtbild?
Nicole-Melanie Goll, Historikerin
Kannst du die Situation während des Zweiten Weltkrieges im Schönbornpark und rund um das Volkskundemuseum Wien beschreiben? Nicole-Melanie Goll, Historikerin
Kannst du die Situation während des Zweiten Weltkrieges im Schönbornpark und rund um das Volkskundemuseum Wien beschreiben? 
Nicole-Melanie Goll, Historikerin


Auch im Schönbornpark wurde durch das von Reichsluftfahrtminister und Oberbefehlshaber der Luftwaffe Hermann Göring initiierte Bunkerbauprogramm ab 1940 ein Luftschutzbunker errichtet, der bis zu 300 Personen aufnehmen konnte. Der vom Stadtbauamt auf städtischem Grund errichtete Schutzbau aus Stahlbeton umfasste eine Fläche von rund 800 qm und war, wie die baugleichen Bunker im Arne-Karlsson-Park (9. Bezirk), am Schuhmeierplatz (16. Bezirk) und in der Angerer Straße (21. Bezirk), mit einem halben oberirdischen Stockwerk angelegt (Abb. 3 und Abb. 4). Pläne zeigen den Versuch, den Bunker im Schönbornpark in das Parkgelände einzupassen – unsichtbar zu machen (Abb. 5). Die Anlage verfügte über zwei Zugänge, zwei Gasschleusen sowie zwei Maschinenräume. Darüber hinaus waren getrennte Wasch- und Abortanlagen für Frauen und Männer sowie ein Sanitätsraum vorhanden, ebenso wie Sitz- und Schlafgelegenheiten in abgeteilten Kojen für längere Aufenthalte (Abb. 6).
Das Verhalten im Bunker unterlag strengen Regelungen: Offenes Feuer war untersagt, da es die Luftqualität beeinträchtigen konnte; das Rauchen war ebenfalls verboten. Tiere durften – mit Ausnahme von Dienst- und Blindenhunden – nicht mitgeführt werden. Schutzsuchende hatten ihr persönliches Luftschutzgepäck mitzuführen, das wichtige Dokumente, Geld, Wertsachen, notwendige Kleidung und Verpflegung beinhaltete.5

Abbildung 3:Außenansicht Bunker im Schönbornpark, 1941; Quelle: WStLA/Foto Gerlach
Abbildung 3
Abbildung 4:Außenansicht Bunker im Schönbornpark, 1941; Quelle: WStLA/Foto Gerlach
Abbildung 4
 
Abbildung 5: Plan „Neugestaltung Schönbornpark VIII. Bezirk.“, 1941; © Wiener Stadtgärten – Österreichisches Gartenbaumuseum
Abbildung 5
Abbildung 6:Plan „Bunker innen“, 1969; Archivmappe Bunker 1969 © Volkskundemuseum Wien
Abbildung 6
Welche Regeln galten in einem Luftschutzbunker? Nicole-Melanie Goll, Historikerin
Welche Regeln galten in einem Luftschutzbunker? 
Nicole-Melanie Goll, Historikerin
 

Der Zugang zum Bunker war durch das NS-Regime streng überwacht: Wer nicht Teil der vom NS-System definierten „Volksgemeinschaft“ war, durfte nicht hinein. Jüdinnen und Juden, aber auch Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern war damit der Zugang verwehrt. Mit Andauern des Krieges und der zunehmenden Gefahr aus der Luft suchten viele Menschen aus Angst schon während der alarmfreien Zeit die Nähe der Luftschutzbunker, um im Ernstfall rasch eingelassen zu werden. Oft dauerte der Einlass lange, da der Andrang zu groß war und Luftschutzbunker oftmals überbelegt waren. Die Menschen verharrten Stunden in den Schutzbauten; abgeschnitten vom „Außen“, war im inneren die Angst vorherrschend.

Wie erlebten Menschen einen Aufenthalt in einem Bunker?Nicole-Melanie Goll, Historikerin
Wie erlebten Menschen einen Aufenthalt in einem Bunker?
Nicole-Melanie Goll, Historikerin
 
Erwin Chloupek erzählt von alliierten Bombenangriffen auf Wien
Hans Sindelar erzählt von seiner Wache im Einmannbunker und einem Bombentreffer
Elisabeth Fickert-Sonnleithner beschreibt, wie ein Fliegeralarm abgelaufen ist und welche Maßnahmen getroffen werden mussten
Franziska Kopta erzählt vom Bombardement des Nordbahnhofs in Wien
Helmut Niederhuber erzählt von Bombenangriffen auf Wien und Wien-Umgebung
Helmut Niederhuber erzählt vom Kriegerdenkmal in Fischamend
Elfriede Neeb erzählt von der Bombardierung des 20. Bezirks
Susanne Wichtl überlegt, wie ein Krieg einen jungen Menschen beeinflusst


Ab 1943 wurden die Luftschutzkeller zentrale Verhandlungsorte nationalsozialistischer Herrschaft. Damit die Stimmung der Bevölkerung sich nicht gegen das NS-Regime richtete, wurden nicht nur erhebliche propagandistische Deutungen über den Luftkrieg gelegt, sondern auch die Präsenz der Partei erhöht.6 Die NSDAP kontrollierte nicht nur die Luftschutzräume, sondern auch das „Davor“ und das „Danach“ von Luftangriffen (Abb. 7).

Abbildung 7: Abschrift „Luftschutzaufgaben der NSDAP“, 1942; Archivkarton Luftschutz, Museumsarchiv © Volkskundemuseum Wien
Abbildung 7
Wie spiegelte sich die NS-Ideologie in Luftschutzbunkern wider?Georg Hoffmann, Direktor Heeresgeschichtliches Museum (HGM) und Luftkriegshistoriker
Wie spiegelte sich die NS-Ideologie in Luftschutzbunkern wider?
Georg Hoffmann, Direktor Heeresgeschichtliches Museum (HGM) und Luftkriegshistoriker


Gekoppelt an regimekonformes Verhalten wurden Schutz und Opferhilfe angeboten. Die Bunkerwarte als Koordinatoren der Luftschutzräume wurden hier zu zentralen Personen. Sie regelten nicht nur den Zugang, sondern überwachten auch gemeinschafts- und regimekonformes Verhalten. Nach Luftangriffen waren NS-Organisationen wie die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) mit sofortiger Hilfe für Bombenopfer und Ausgebombte präsent. KZ-Häftlinge mussten in den Städten den Schutt der zerbombten Gebäude wegräumen.

Wie wirkte sich der Luftkrieg auf Zivilbevölkerung und Soldaten aus?Nicole-Melanie Goll, Historikerin
Wie wirkte sich der Luftkrieg auf Zivilbevölkerung und Soldaten aus?
Nicole-Melanie Goll, Historikerin
 
Was passierte mit Piloten der Alliierten, wenn sie einen Absturz in feindlichem Gebiet überlebten?Nicole-Melanie Goll, Historikerin
Was passierte mit Piloten der Alliierten, wenn sie einen Absturz in feindlichem Gebiet überlebten?
Nicole-Melanie Goll, Historikerin
 

Bis heute sind die Spuren des Luftkrieges erkenn- und sichtbar – anhand der Erzählung der Überlebenden, aber auch den baulichen Spuren, die Luftschutzkeller, Bunker und Flak-Bunker hinterlassen haben. Sie sind bis heute sichtbare und unsichtbare Mahnmale gegen Krieg und Faschismus.
 

In der Ausstellung „Kinder des Krieges – Aufwachsen zwischen 1938 und 1955“ im Museum Niederösterreich/Haus der Geschichte wird die Thematik Luftkrieg ebenfalls aufgegriffen. Zur Ausstellung, die vom 26. April 2025 bis zum 17. Jänner 2027 gezeigt wird, ist ein gleichnamiger Ausstellungskatalog erschienen.


 
  1. Die Auswirkungen des Feuersturms auf die Erinnerung und das kollektive Gedächtnis hat Malte Thießen intensiv untersucht. Siehe: Malte Thiessen: Eingebrannt ins Gedächtnis. Hamburgs Gedenken an Luftkrieg und Kriegsende 1943 bis 2005. München 2007.
  2. Siehe dazu: Markus Reisner: Bomben auf Wiener Neustadt. Die Zerstörung eines der wichtigsten Rüstungszentren des Deutschen Reiches – der Luftkrieg über der „Allzeit Getreuen“ von 1943 bis 1945. Berndorf 32014.
  3. Mit diesem Spruch forderte die NS-Propaganda die aktive Beteiligung der Volksgenossinnen und -genossen ein.
  4. N. N.: Sagt es allen! Aeußerliche Kennzeichnung von Luftschutzräumen. In: Neue Warte am Inn, 8.12.1943, S. 6.
  5. Im Juli 1943 erscheinen in „österreichischen“ Tageszeitungen erstmals Hinweise darauf, welche Dokumente unbedingt zum Luftschutzgepäck gehören und daher in den Luftschutzkeller mitgenommen werden müssen. Bsp: N. N.: Dokumente mit in den Luftschutzraum! In: Wiener Neustädter Zeitung, 3.7.1943, S. 4.
  6. Siehe: Georg Hoffmann: Fliegerlynchjustiz. Gewalt gegen abgeschossene alliierte Flugzeugbesatzungen 1943 – 1945. Paderborn 2015, S. 108–126.