Bestandsaufnahme
1988 bis 2025
1988 wurde der neugestaltete Schönbornpark durch den damaligen Umweltstadtrat Michael Häupl (*1949) eröffnet. Neben dem 1987 an der Außenwand installierten Trinkbrunnen (vgl. Kapitel 2 UNsichtbarwerden) wurde im Zuge des Projektes auch das Dach des Luftschutzbunkers von einem Spielplatz mit zwei Sandkisten (Abb. 1) zu einer „Spielfläche für Jugendliche“ umgestaltet (Abb. 2).1 2011 wurde diese Fläche modernisiert und eine – laut Presseaussendung –„Wohlfühloase für Kinder und Jugendliche“ mit einem Klettergerüst, Tischtennistischen und Wellenbänken geschaffen.2


2003 wurde vom Volkskundemuseum Wien im Inneren des Luftschutzbunkers aufgrund von erheblichen Wasserschäden und daraus folgendem Schimmel- und Schädlingsbefall eine umfassende Sanierung durchgeführt, die zu beträchtlichen Änderungen in der Innenausstattung führten. Bei starkem Regen war durch die bis dahin verbauten zweiflügligen Stahltüren bei beiden Eingängen Wasser eingetreten. Daraufhin wurden diese Türen entfernt, entsorgt, Brandschutztüren eingesetzt und Vordächer über diesen montiert. Bei den Sanierungsarbeiten wurde ein Teil der vorhandenen Belüftungsanlage gereinigt und wieder in Betrieb genommen, die restlichen Teile der Anlage deinstalliert. Ebenso wurden die historischen Toiletten und Kabinen abmontiert und sämtliche Abflussrohre verschlossen. Dazu wurde großflächig der Putz abgeschlagen, neu verputzt, gestrichen, neue Stromkabel verlegt sowie eine Alarm- und Brandmeldeanlage installiert.3 Der Errichtung der neuen Spielplatzanlage 2011 ging ein Schreiben der damaligen Museumsdirektorin Margot Schindler (*1952) voraus, die die MA 42 (Wiener Stadtgärten) darauf hinwies, dass diesem Gestaltungsplan am Dach eine Sanierung von ebendiesem vorausgehen müsse. Die für das Museum recht beträchtlichen Investitionen der letzten Jahre wären durch die undichten Stellen beeinträchtigt, manche Räume könnten gar nicht mehr genutzt werden.4
Die Probleme mit der Feuchtigkeit blieben bestehen (Abb. 3). Ein weiterer Wassereinbruch 2020 führte dazu, dass der Auszug der Objekte (Abb. 4) forciert wurde. 2023 und 2024 wurden die dort gelagerten Objekte schließlich abgesiedelt (Abb. 5 bis 8) und im Hauptdepot des Museums mit allen anderen Beständen (Sammlungen, Archiv und Bibliothek) zusammengeführt.






Platz schaffen
Der Auszug aus dem Luftschutzbunker lief parallel zu Vorbereitungs- und Auszugsarbeiten im Vorfeld der Generalsanierung des Museumsgebäudes in der Laudongasse. Im Rahmen des Programms „before it gets better ... Abschied und Aufbruch aus einer bröckelnden Gegenwart“ wurde der Bunker im April und Mai 2024 erstmals zum Austragungsort einer performativen Installation unter der künstlerischen Leitung des Theaterkollektivs toxic dreams. Der Bau wurde zur „Festung Österreich“ und als solcher mit seinen 44 – unterschiedlich gestalteten und ausgestatteten – Kojen zur Szenerie von „Warten auf die Barbaren“ (Abb. 9 und 10). Teile der Kulissen sind bis heute in den Kojen geblieben und werden bei Gebäudeführungen durch die Kulturvermittlung des Volkskundemuseum Wien thematisiert.
Im Zusammenhang mit massiv unsichtbar wurde der Bunker erneut zum Installationsraum.


Bereits seit 2023 wurde der Bunker bei Führungen für interessierte Besucher*innen geöffnet. Die Innenräume mit den verbliebenen Kulissen und der Mehrkanal-Klang-Installation werden bis auf Weiteres auf diese Weise zu besichtigen sein, bis die Bauarbeiten im Rahmen des von der EU geförderten Interreg-Projektes „Turning Points - Museums for a Democratic Future“ (in Zusammenarbeit mit dem Stadtmusuem Bratislava (Múzeum mesta Bratislavy) beginnen.
- Vgl. Rathauskorrespondenz, Mittwoch, 19. April 1988, Blatt 718, https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/pageview/3482221?query=%22Sch%C3%B6nbornpark%22.
- Vgl. Presseaussendung Bezirksvorstehung Josefstadt, 10. November 2011, Originaltext-Service" der Austria Presse Agentur (APA), https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20111110_OTS0255/bv-josefstadt-neuer-spielplatz-im-schoenbornpark-eroeffnet.
- Vgl. Ordner Bunkersanierung, Archiv Volkskundemuseum Wien.
- Vgl. Schreiben Margot Schindler an MA 42/Wiener Stadtgärten vom 10. Mai 2011, Ordner Bunker 1969.
